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der Kirche und des Kirchspiels

Ältester Wallfahrtsort "Zur schmerzhaften Mutter" Deutschlands!

(Buch: Im Spiegel der Sieg v. Gabriel Busch, S. 255)

1988 Golddorf des Rhein-Sieg-Kreises

"Unser Dorf soll schöner werden"

2008 Golddorf des Rhein-Sieg-Kreises

"Unser Dorf hat Zukunft"

 

Die Entstehung des Bergrückens Bödingen -Bodenstrukturen-: Das Gestein entstand erdgeschichtlich im Erdaltertum, dem Paläozoikum. Ein Flachmeer bedeckte damals, vor ca. 650 Millionen Jahre unsere Gegend. Der Verwitterungsschutt, der von den Randgebirgen aus in die Meeresmulde gespült wurde, bestand teils aus Schlammschichten, teils aus Sandbänken, die durch stete Überlagerung unter den Druck der nachfolgenden Ablagerungen gerieten und dadurch verfestigt wurden. Da sich der Meeresboden stetig absenkte, wuchsen diese Sedimente, Tonschiefer und Sandsteine, zu einer Mächtigkeit von mehreren Tausend Metern an. Diese Gesteinsbildung erfolgte im Zeitabschnitt des Devons. In der nachfolgenden Steinkohlenzeit, dem Karbon, einer jüngeren Periode des Paläozoikums, wurden die Gesteinsmassen aufgefaltet und aus dem Meer emporgehoben und wuchsen zu einem hohen Gebirge heran, das im Laufe von Jahrmillionen wieder durch das Einwirken der Verwitterung noch in der Karbonzeit zu einem flachwelligen Rumpf abgehobelt wurde. In dieser Zeit der Gebirgsbildung müssen auch die Erzgänge (Kupfer, Blei, Zink) entstanden sein, die sich zwischen den devonischen Schichten als Kluftfüllungen befinden und auch im Bödinger Raum zu finden sind. Das Devon (geolog. System des Paläozoikums) kommt im Bödinger Bereich als zwei Schichten vor. Der nördliche Teil mit den der Bröl und dem Derenbach zugewandten Hängen ist den Wahnbachschichten zuzurechnen, die aus Ton- und Sandstein, teils dickbankig, teils plattig, bestehen. Die südliche Hälfe wird dagegen eindeutig von den Schichten des Mittelsiegen bestimmt, das bis zur Sieg reicht. Es handelt sich hierbei um einen dunkelgrauen Tonstein, der mit festen karbonatischen Steinbänken wechsellagert. Da diese Gesteine des Devon keine nennenswerte Ackerkrume tragen, sind sie für den Ackerbau ungeeignet und kamen in der Rodungsperiode der fränkischen Besiedlungsphase als unberührtes Waldland ungeschoren davon. Das erklärt dass auch heute noch der Nutscheid ein geschlossenes Waldgebiet darstellt. Nur, wo im Westen der Gebirgssockel zwischen Bröl und Sieg schmäler wird und sich allmählich zur großen Rheinebene hin absenkt, wurde während des letzten Abschnittes der Erdneuzeit, mitten im Quartär, genau im ausgehenden Pleistozän, nach Abschluss der Flussterrassenbildung als Windablagerung feinsandiger Lößlehm aufgeweht, eine fruchtbare Erde, deren Verbreitung etwa bis zur Linie Auel-Oberhalberg reicht. Aber schon im älteren Zeitabschnitt der Erdneuzeit, im Tertiär, vor etwa 60 Millionen Jahren, war der alte Devonrumpf wieder in Bewegung gekommen. Die große Scholle der Köln-Bonner Bucht begann sich zu senken; gleichzeitig fing das Rheinische Schiefergebirge an, in einer Gegenbewegung emporzusteigen. So wurden dann die entstehenden Flusssysteme gezwungen, sich entsprechend der Schollenbewegung einzutiefen. Daher kam es zur Bildung der Flusstäler von Sieg und Bröl und der vielen Nebentäler und Siefen. (Quelle: Bödinger Buch, S. 31/32)

Die ersten Spuren altgermanischer Kultur reichen bis zu 5000 Jahre v. Christi Geburt zurück. Und zwar besiedelten die Indogermanen den West-, Süd- und Oststrand der Ostseeküste. Von den vielen Stämmen kamen drei in unsere Heimat in unsere Heimat, wovon sich die Ubier bei Köln, die Tenkterer und Sigambrer an der Sieg ansiedelten. Damals war unsere Heimat noch ein rauhes, unwirtschaftliches Land, von Sümpfen und undurchdringlichen Wäldern bedeckt. Bäche und Flüsse zweigten sich in verschiedene Läufe ab, um sich an anderer Stelle wieder zu vereinigen. Aus dem undurchdringlichen Unterholz und hochwüchsigen Gestrüpp streckten riesige Bäume aus Kiefern, Eichen und Linden ihre gewaltigen Kronen ´gen Himmel. Außer dem Gefieder, dem Groß- und Kleinwild war unsere Heimat bis dato von keines Menschen Fuß berührt. In den Schriften des römischen Geschichtsschreibers Tacitus (55 - 120 n. Chr.) ist zu lesen: Die Germanenstämme an "Sigaha" (gemeint ist wohl die Sieg) sind ein kriegerisches, tapferes Volk, das von Jagd und Fischerei lebt. Sie sind von hohem Wuchs, haben blondes Haar und blaue Augen. Die Götterverehrung ist bei ihnen stark verwurzelt, wobei Odin in besonderer Verehrung steht. In ihren Hainen bestatteten sie ihre Toten. Sie bauten einen Sarg aus Steinplatten, die sparrenmäßig gefugt waren. Ihre Toten konservierten sie mit gemahlenem Röttel und Harzen. Als Gabe legten sie ihnen Schmuck und Waffen bei. Aus römischen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Stiefsöhne Kaiser Augustus, Tiberius und Drusus, vom Süden über die Alpen bis an den Rhein vordrangen, sich mit den Ubier verbündeten und in das Sigambrer- und Tenkterer-Land vordrangen.  Hier, in unserer Heimat, stießen die römischen Welteroberer mit den Germanen  zusammen. In schweren Kämpfen schlugen die Römer die Germanen und zogen sich 18 Tage später an den Rhein zurück. (Quelle: Die Mairie Lauthausen v. Josef Müller, Bröl)

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Die Siedlungen von Altenbödingen und Bödingen stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander, wie  Heimatforscher Prof. Dr. Helmut Fischer im Bödinger Buch erwähnt. Der Siedlungsname Bödingen erscheint urkundlich erstmals 1190, und zwar für "Alten-" Bödingen. Wendet man die Verfahren der Namenkunde an, so ergibt sich eine Aufgliederung in die Bestandteile Böd- und -ingen. Die Endung -ingen bezeichnet die Lage einer Höhensiedlung. Der erste Bestandteil ist der Personenname Bodo. Der Siedlungsname bedeutet also "zu oder bei den Leuten des Bodo". Danach siedelte an diesem Platz ein Bodo mit seiner Familie, seiner Sippe oder seinen abhängigen Leuten. Insbesondere vor dem Jahre 800 wurden -ingen-Namen verwendet. Sie gehören in die erste Phase des Landausbaus etwa zwischen 600 bis 800, in der die Randhöhen der Siegebene und das Bergland in Besitz genommen wurden. Darüber hinaus finden sich derartige Namen häufig in der Nähe von Höhenstraßen, auch der Nutscheidstraße. Es erscheint daher die Annahme gerechtfertigt, die Gründung der Siedlung Bödingen, also das heutige Altenbödingen, vor oder um 800 anzusetzen. Das Dorf Bödingen mit Kirche und Kloster entstand ab 1397, mit dem Bau der Kirche..

In Seligenthal hatte man 1231 das Minoritenkloster gegründet, im nahen Zissendorf 1265 das Cistercienserinnenkloster "de pace Dei". Seit dem 14. Jh. stand in Allner das Schloss der Herren von Allner und nach ihnen derer von Merkelsbach und der Familie von Merode. Um 1180 entstand die Burg Blankenberg der Grafen von Sayn. In den Stadtmauern starb 1208 Erzbischof Bruno IV. 1245 erhielt Blankenberg Stadtrechte. Durch die Verschuldung Gottfried´s v. Dalenbroich 1363 ging Blankenberg an die Grafen von Berg und erhielt innerhalb des Herzogtums als "Amt" einen eigenen Verwaltungsbezirk und einen Landdinger des "Landes und Amtes Blankenberg". Mit dem Zuzug der 1372 aus Köln vertriebenen Weber, erlebte der Ort seine Blütezeit. Die Burg wurde im 30-jährigen Krieg zerstört und danach dem Verfall anheim gegeben. Weitere Burgen um Bödingen bestanden: In Hennef die Burg des Herrn von Moitzfeld, in Rott um 1170 die Burg der Ritter von Roide, Burg Dürresbach bei Söven war 1117 Besitztum des Burggrafen Franko von Köln, in Dambroich wohnte der Churfürstliche Rentmeister von Pfalz-Neuburg, Haus Attenbach bei Stein bewohnte Freiherr v. Halberg-Broich "Eremit von Gauting" genannt, die Herren de Warth als Schultheißen und Posthalter bewohnten das Dreigiebelhaus in Warth.

                                                      

Links: Ohne Bekleidung mit alter Bemalung und ohne Christus. Rechts: Mit Bekleidung und Corpus Christi (Corpus seit 1922 nach Diebstahl ersetzt).

Ein frommer Marienverehrer, der Einsiedler Christian von Lauthausen, ein einfältiger Junggeselle (vir simplex ac caelebs), "unser lieben Frauen Knecht", ließ um die Mitte des 14. Jahrhunderts (1350), nach einer Vision,   in Köln ein Marienbild anfertigen und stellte es in einen Bildstock, unterhalb von Altenbödingen, so die Darstellung in "Die Kunstdenkmäler des Siegkreises" (Stadtarchiv Hennef L 11,2) und "Erfassung der Denkmäler in der Stadt Hennef v. 1988). In "Das Siegthal" v. Ernst Weyden, (Stadtarchiv Hennef L 13/29) ist diese Entstehungsgeschichte so beschrieben: "Im Walde, an der Stelle, wo jetzt Altenbödingen liegt, findet ein Bauer, Christian von Lauthausen, beim Holzfällen ein Muttergottesbild. Der fromme Mann fasste den Entschluss, an dem durch den Fund geheiligten Ort eine Kapelle zu bauen." Diese Version finden wir auch im Buch "Im Spiegel der Sieg" v. Pater Gabriel Busch. Im Memorienbuch -Übersetzung des Fundationsbildes- und im Bödinger Wallfahrtsbuch lässt man diese Legende nüchterner darstellen. Hier steht: "Im Jahre 1397, den 1. April, hat der schlichte Junggeselle Christian von Lauthausen ein Vesperbild, welches bislang an einer hervorragenden Stelle in einem Bildstock seinen Platz gefunden, dreimal im Schlafe ermahnt, an dem Doppelwege dieses Berges aufgestellt ...". Wie dieses Bildnis, welches um 1350 in einer Kölner Werkstatt offensichtlich erstellt wurde, in die Obhut des Christian von Lauthausen kam, dürfte nicht endgültig nachweisbar sein. In der ältesten Fassung schrieb der Mönch Johannes Busch (1399-1479), er kam 1424 nach Bödingen, in seinem "Liber de reformatione monasteriorum" nieder, dass der Einsiedler Christian nach einer Offenbarung, in der ihm die Gottesmutter erschienen war, nach ihrem Ebenbild diese Figur schnitzen ließ.  (Dieser Version wird in Zukunft gefolgt, da sie näher an der Entstehungszeit liegt und Busch Personen aus dieser Zeit noch sprechen konnte.) Schon bald erwies sich dieses Vesperbild als wundertätig. Tag und Nacht brannte ein Licht davor und der Einsiedler reifte in seiner Frömmigkeit mehr und mehr heran. Je weniger er die Absicht hatte, andere Menschen aufmerksam zu machen, um so weniger konnte er mit seinem Gnadenbild verborgen bleiben. Er zog sorgende und gequälte Menschen an, die von seinem inbrünstigen Beten angesteckt wurden. Der Einsiedler begann mit dem Bau einer Kapelle, die jedoch immer wieder über Nacht einstürzte. Dreimal wurde er im Traum gemahnt, "in bivio montis", an der Wegkreuzung auf dem Berg eine Kirche zu bauen. Die Legende wird so beschrieben (ob es sich so abgespielt hat, ist nicht belegt): Er lud das Vesperbild auf seinen Maulesel, der die Selbach-Schlucht hinauftrabte und auf dem Berge, wie angewachsen, an dieser Wegkreuzung stehen blieb. Das war für Christian der Fingerzeig: Hier will das Gnadenbild eine Kirche haben. (Solche Legenden mit dem Esel gibt es mehrfach im Rheinland.) In einem Pilgerbuch von 1621 wird durch den Prior Balthasar Sollingen sogar das Datum der Erscheinung vermerkt. Es war der 1. April 1397. Aus einem Andachtsbüchlein von 1660 geht auch die Örtlichkeit hervor, wo das Gnadenbild seinen Standort fand: Auf der Ackerfläche "Ammelraidt". Der Pilgerstrom wuchs stark an, so dass Christian von Lauthausen in dem Geistinger Pfarrer Peter von Meisenbach, einen Helfer fand, der seinen Wohnsitz nach Bödingen verlegte und den Bau der Kirche 1397 auch mit eigenen Mitteln unterstützte.  Angetan von der Frömmigkeit der beiden Erbauer und dem selbstlosen Einsatz, fanden sie schnell Unterstützung in der Bevölkerung und natürlich auch sehr viele Spender, die dem Werk zum Fortgang verhalfen. Man kaufte  Bauernhöfe und Weinberge. Der 1. Hof war der Kümpeler Hof (Hennef-Kümpel), den Pfarrer Peter v. Meisenbach zur Unterhaltung von Kirche und Kloster kaufte.  Die weiteren Höfe: Hof zu Rauschendorf, Hof zu Niederkassel, Hof zu Menden, Hof zu Geisbach, Hof zu Stieldorf, Hof in Bruchhausen b. Neustadt und Hof zu Rondorf. Von Rom aus wurde der Probst zu Köln beauftragt, das Werk in Bödingen zu überwachen und, nachdem die Wirtschaftlichkeit festgestellt wurde (Dank dem Privat-/Erbvermögen vom Pfarrer Peter von Meisenbach) 4 Benefizen einzurichten. Papst Bonifazius IX erließ 1402 mehrere Ablässe "für die Kapelle der allerseligsten Jungfrau Maria in Bödingen", wie eine solche für Maria Einsiedeln in der Schweiz. Von Papst Johannes dem XXIII. (den es schon einmal gab) wurde die Erlaubnis erteilt, 4 Vikare einzustellen. Es waren dies die beiden Neffen von Pastor Peter von Meisenbach, Walram von Meisenbach, vorher Vikar an der Siegburger Pfarrkirche und Andreas von Meisenbach, Kleriker der Erzdiözese Köln, sodann Gottschalk Boyhs und Johannes Kalt.

(Erläuterung: Viele Familiennamen sind von dem Auswanderungs-/Herkunftsort abgeleitet, so auch Christian von Lauthausen, Peter von Meisenbach, weil sie aus diesen Orten stammten.)

Bis zur Erbauung der Kirche diente die Hossenberger Kapelle in der Pfarre Geistingen als Filialkirche für die umliegenden Ortschaften, deren Leichen daselbst beerdigt wurden. Diese Ortschaften bildeten innerhalb der Pfarre Geistingen ein eigenes Kirchspiel,  mit Namen "Eygen" (Vgl. Pfarre Geistingen, S. 192 über "Eygen"=Hofgut, siehe Annalen 28, oder "Eigen"=Eigentum  des Herrn der Siegburg, bis zur Gründung der Abtei Siegburg des Pfalzgrafen / Heimatbl.RSK 1982, S. 9, Prof. Fischer). Der neu entstehende Ort Bödingen lag auf dem Gebiete des Herzogs von Berg, in der Grafschaft Blankenberg.

Während der Entstehung der Kirche und des neuen Dorfes Bödingen gehörte Bödingen zur Rheinprovinz, an der östlichen Grenze. Diese Rheinprovinz war ein glückliches und wohlhabendes Land. Die Pracht der rheinischen Kirchenbauten in Stadt und Land ist heute noch ein sprechender Beweis, auch die Burgen und Stadtmauern reden von Kraft. Beide zeugen vom Opfersinn des Mittelalters. Für den mittelalterlichen Menschen gab es keine Unterscheidung von diesseits und jenseits, sondern das ganze Leben wurde von dem Gedanken an das Jenseits beherrscht. Daher war man auch gerne bereit, viel, oft und gerne der Kirche zu spenden. Es war auch die Zeit kurz der Pest, die auch in und um Bödingen viele Menschenleben kostete. (Erst 1894 wurde das Pestbakterium erkannt und konnte bekämpft werden.) Begleitet von massenhysterischen Exzessen (Geißlerumzüge / Judenpogrome) ging die Bevölkerungszahl stark zurück. Es begann die Landflucht. König war Wenzel, Sohn Kaiser Karls IV. 1400 wurde er jedoch abgewählt von den rhein. Kurfürsten. Der Pfälzer Ruprecht III. (Wittelsbacher) wurde zum Nachfolger bestimmt. Erzbischof Dietrich von Mörs (1414 - 1463) wurde geistlicher wie auch weltlicher Herrscher von Kurköln.

In dieser Zeit der großen Spendenfreudigkeit bei Armen und Reichen,  sich damit das Himmelreich erwerben zu können, hat die katholischen Kirche  Ablässe zur Vergebung der Sünden ausgesprochen, die u. a. durch Geldspenden erworben werden konnten. Dies ging bis in die Reformationszeit Luthers, der ganz besonders gegen diesen Ablass-Handel vorging. Die Angst vor der Pest, die auch im Bödinger Raum umging, machte große Angst und vermehrte die Spendenbereitschaft.

Bald stand die Bödinger Kirche (Westturm, der eigentlich nur an Pfarrkirchen gebaut werden durfte, und Langhaus) und konnte 1408 eingeweiht werden. Sie wurde der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Gottesmutter und den Hl. drei Königen geweiht. 1417 starben die Erbauer, der Einsiedler Christian von Lauthausen und der Pfarrer Peter Meisenbach. Beide wurden vor dem Hochaltar begraben. Turm und Langhaus sind bis heute unverändert erhalten geblieben.

Als das Kölner Provinzial-Concil im Jahre 1423 (im Jahre 1240 beim Servitenorden bereits eingeführt) für die ganze Kirchenprovinz auf den vierten Freitag nach Ostern ein besonderes Fest der Betrübnis und der Schmerzen Mariä  unter dem Kreuze - Compassionsfest genannt - anordnete, nahm die Verehrung der Schmerzhaften Mutter in Bödingen noch mehr zu. (1717 ordnete Papst Benedikt XIII. das Fest der Sieben Schmerzen Mariä, das Kompassionsfest, für die ganze Kirche an.) 1424 beurkundet Papst Martin V. (legitimer Papst) auf Antrag des Landesherrn Herzog Adolf von Jülich-Berg und des Erzbischofs Dietrich von Mörs, nach Streit unter den Vikaren, die Auflösung der Vikarien und die Gründung des Klosters Bödingen, geführt von den Augustiner-Chorherren zu Windesheim/Holland, die 400 Jahre in Bödingen, wie auch in den Pfarrstellen Blankenberg und Uckerath, wirkten. Der Klosterstifter war Herzog Adolph VII. von Berg (1408 - 1437), der das Kloster obendrein von Steuern, Zöllen zu Wasser und zu Lande sowie von sonstigen Diensten befreite. Sein Nachfolger, Gerhard II., gewährte dem Kloster das Recht, in Halberg eine Mühle zu betreiben und 5 Jahrmärkte abzuhalten. (Memorienbuch: Der Marktplatz in Bödingen befand sich zwischen der Einfahrt zum Klostergut und dem heutigen Marienheim. Hier stand auch ein Brunnen. Dort heißt es bis heute: Am Markt-Pütz. Ein zweiter Brunnen befindet sich noch bis heute vor dem Sommerrefektorium des Klosterhofes. Das Grundstück für die Mühle des Klosters stiftete Johannes Sibel, Schultheiß von Blankenberg und Margarethe, seine Gattin. Die Mühle ist nach der Säkularisation abgerissen worden, der Mühlendamm ist noch vorhanden, die Straße nach Oberhalberg führt darüber hinweg. Oberhalb lagen die Staubecken/Mühlenteiche).

Die Mönche lebten in tiefer Armut. Pater Johannes Busch schrieb nieder, dass er einen Holzscheit als Kopfkissen unterlegte. Im eisigkalten Winter gab es nicht einmal Decken und nur die Gäste und die Schweine des Klosters bekamen bessere Nahrung als sie.

Die strömenden Pilger und die gute Lage an dem Handelsweg ("Eisenstraße"), zwischen dem erzreichen Siegerland (wertvolles, manganreiches Eisenerz) und dem schiffbaren Rheintal, veranlassten einige Leute, sich auf dem Berg, um der Kirche, ansässig zu machen. So entstand das "neue" Bödingen. Besondere Marienverehrer zogen nach Bödingen, um bei der Gottesmutter zu sein, um in ihrer Nähe beerdigt zu werden, oder aber im Kloster eine Arbeit zu finden zu Ehren Mariens.

Die Augustiner-Chorherren forderten eigene Gebetsräume, um nicht durch die vielen nass geschwitzten Pilger, die sich in der Kirche auch umzogen, gestört zu werden. So  begann man 1439 mit dem Bau des Querschiffes, 1490 wurde ein größeres Chorgebäude (vermutlich über dem alten) erbaut.  Der Marienaltar befand sich zwischen Langschiff und Chor, vor dem Lettner (Lettner = Trennwand zwischen Herrenkirche (Chor) und der Leutekirche) über dem Lettneraltar (Salvatoraltar) stand das Gnadenbild. Der Lettner wurde 1630 abgebrochen und das Gnadenbild auf den hölzernen Seitenaltar im südlichen Schiff übertragen. Der heutige Marmoraltar stammt von 1750(Memorienbuch S. 163), der hölzerne Altar wurde nach Stieldorf verkauft.. Das Fresko im nördlichen Schiff wurde um 1450 von einem Meister der Kölner Malschule in den frischen Putz gemalt. Es zeigt die Verkündung der Menschwerdung Christi.

1526 wird urkundlich eine Mühle erwähnt, die eines namens Mousch, Moisch oder Moesch gehörte. Er war sehr reich, da er die Mahlmühle und eine Eisenschmelze besaß und in einem "Burghaus" oberhalb von Müschmühle wohnte. Der Ort Müschmühle erhielt von dem Mühlenbesitzer seinen Namen. Die Mühle wurde später abgebaut und in Allner wieder aufgerichtet. Sie gehörte etwa um 1600 zum Rittersitz Allner, denn es ist bekannt, dass sie 1644 gemeinsamer Besitz der Herren Scheiffart von Merode zu Allner, des Christian Knipping und seiner Miterben war. Sie galt als Zwangsmühle der Orte Happerschoß, Heisterschoß, Bröl, Altenbödingen, Lauthausen, Weldergoven und Allner. 1973 musste die Mühle dem modernen Straßenbau weichen.

Eine Zeitlang konnte sich Dietrich von Mörs der Hoffnung hingeben, dass das Herzogtum Berg dem kurkölnischen Territorium eingefügt wurde. Die Ehe des Herzogs Gerhard II. von Jülich und Berg (+1475) war zunächst kinderlos. Nach sechs Jahren der Ehe entschloss sich 1461 der Herzog, durch seinen Großoheim Dietrich dazu bewogen, für den Fall seiner Kinderlosigkeit oder der seiner Kinder, das Großherzogtum Berg, mit der Herrschaft Blankenberg, die Grafschaft Ravensberg und die Städte Sinzig und Remagen in Form eines Scheinkaufes der Kölner Kirche zu schenken. Aber aus der Ehe gingen doch noch Söhne und Töchter hervor. Unterdessen starb Dietrich (+1463). Die Wahl fiel auf Ruprecht von der Pfalz, nachdem Domkapitel, Ritterschaft und Städte vorher eine Landesvereinigung  geschlossen hatten, welche die dauernde Staatsform für Kurköln wurde. 1450 Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg (Die handgeschriebene Bibel im Pfarrhaus zu Bödingen datiert von 1420) und 1517 begann die Reformationszeit, die jedoch für das Kirchspiel Bödingen wenig erfolgreich verlief.1492 entdeckte Kolumbus Amerika.

1481 gründete der Prior des Klosters Bödingen, Jakob von Heggen aus Aachen, die Bruderschaft der Mutter Gottes. Erzbischof von Köln, Paul Melchers, pilgerte 1875 nach Bödingen und ließ sich als Mitglied der Bruderschaft zu Ehren der Jungfrau Maria eintragen. Dass das Vertrauen der zur schmerzhaften Mutter Flehenden auch fortwährend mit Gebetserhörungen belohnt wurde, berichtet der 15. Prior, Balthasar Sollingen aus Köln 1621, indem er auf ein Bild die Worte (lateinisch) setzen ließ: "Mit verschiedenen Leiden und Krankheiten Behaftete fühlten, sobald sie ihre Gebete zur allerseligsten Jungfrau Maria gerichtet und ein Gelübde der Wallfahrt zu dieser Stätte gemacht hatten, sich alsbald getröstet und geheilt; ja oft haben hier Blinde ihr Gesicht, Lahme den Gebrauch ihrer Glieder, Gefangene die Freiheit, Pestkranke ihre Genesung wiedererlangt, und was noch wunderbarer ist, selbst Tote sind zum Leben zurückgerufen". ("Das heilige Deutschland" von Regidius Müller, Köln am Rhein 1887). Weiter heißt es: "Namentlich scheint das Wunder der Wiederbelebung tot geglaubter Kinder behufs Erlangung der h. Taufe oft vorgekommen zu sein, so dass die geistliche Behörde im Jahre 1758, wo unter dem heiligmäßigen 27. Prior Heinrich Klein derartige Fälle sich häuften, eine Untersuchung anstellen ließ, über deren Resultat nichts bekannt ist.

Das Klostergut (von 1677 bis 1732 erbaut), hat auf der Südseite (Sommerrefektorium) mehrere Säulen (aus der Stauferzeit um 1200 stammend), die wohl aus der Burgkapelle (St. Georg) Blankenberg stammen könnten, als diese 1676 geschleift wurde. Auf einer der Säulen steht "Maria als Himmelskönigin" mit Zepter in ihrer rechten Hand und  ihrem Kind auf dem linken Arm, das ein Kreuz in seinen Händen hält. In einer anderen Dokumentation ist niedergeschrieben, dass diese Säulen von der Dondorfer Kapelle stammten, die, nach Feststellung ihrer Baufälligkeit (1810), durch die Geistinger Kirchengemeinde "geräubert" wurde, aber nach einem verlorenen Prozess die Gegenstände, darunter sollen sich auch diese Säulen befunden haben, an Bödingen als Eigentümer herausgegeben werden mussten.

Anfang des 17. Jh. (1618) begann der 30-jährige Krieg, der bis 1648 dauerte, aber auf Bödingen selbst wenig Einfluss hatte. Die Burganlagen Blankenberg und Windeck wurde hierbei fast vollständig zerstört.

Diese Kriegszeit war für die Sieg-Region eine schwere Zeit, denn viele Reitertruppen aus mehreren Ländern (Holländer, Schweden) zogen durch das Siegtal und holten sich an Lebensmitteln von den Bürgern, was sie finden konnten. Dadurch entstand große Armut in der Siegregion. Außerdem verbreiteten die einfallenden Plünderer die Pest noch mehr, wodurch ganze Dörfer ausgerottet wurden. Hinzu kam noch der aufkeimende Hexenwahn. Hexenprozesse wurden durchgeführt, viele fanden den Tod auf dem Scheiterhaufen, insbes. in der 2. Hälfte des 17. Jh., unmittelbar nach dem 30-jähr. Krieg, auch ganz besonders in Siegburg und Troisdorf.

Um 1669 stellte man bei einer Steueraufnahme fest, dass im Bereich Kurkölns über 50 % von Grund und Boden im Eigentum von Klerus und des Adels war. Diese waren aber zumeist von der Steuer befreit.

Von 1680 stammt der älteste der vier Segensaltäre. Er steht am "neuen" Friedhof und stand früher schräg gegenüber. Von dort ging auch ein Feldweg zum Silberling ab, auf dem Pfingstmontag die Prozession um eine gute Ernte begangen wurde. 1684 kam der Segensaltar von Bödingen, am Hause Will, hinzu, der bis heute immer noch am selben Ort steht, 1709 der in Driesch (stand früher an der Weggabelung am Driescher Wald) und 1714 der Altenbödinger Segensaltar, jetzt an der Bushaltestelle stehend, früher schräg gegenüber. Alle Segensaltäre haben Teile aus den Kapellen der Burg Blankenberg (St. Georg-Kapelle) und vielleicht auch der Hossenberger Kapelle, eingearbeitet.

1735 wurde die Kapelle Oberauel gebaut und dem Hl. Antonius von Padua sowie der Hl. Dreifaltigkeit geweiht. Das Ehepaar Anton Müller und Katharina geb. Heuser dürften das Grundstück gestiftet haben. Auf dem Altar ist der "Gnadenstuhl" dargestellt. Gott Vater hält den ans Kreuz genagelten Sohn vor sich in den Händen, darüber schwebt die Taube, das Symbol des hl. Geistes.

1636 wurde Bödingen von einer schweren Feuersbrunst heimgesucht. Kloster und Kirche wurden wie ein Wunder vor jeglichem Schaden verschont. Das wohl älteste Haus in Bödingen ist die Gaststätte Breuer, erbaut 1681. Von 1808 war sie bis 1890 eine Gaststätte. 1867 wurde hier der erste Gesangverein "Heiterkeit" gegründet, 1881 auch der Kirchenchor "Caecilia". Sie war Anlaufstelle für viele Pilger, Händler, Fuhrleute. Von 1890 an wurde darin eine Kaffeewirtschaft geführt, bis später wieder eine Umorientierung stattfand und erneut als Gaststätte, dies bis heute, genutzt wird. Das Walterscheid`sche Haus und die beiden daneben liebenden Fachwerkhäuser dürften aus der gleichen Zeit / spätes 17 Jh. stammen.

An der Nordseite der Kirche sind noch erhalten zwei rechtwinklig aneinander stoßende, zweigeschossige Trakte des späten 17. Jh. und das 1732 errichtete Sommerrefektorium, ein zweigeschossiger Bau mit Walmdach. Winter- und Sommerrefektorium sind die Überbleibsel der alten Klosteranlage, die 1803 Schule wurde und, nach Erbauung der neuen Schule, in Privathand überging.

Im September 1795 überschritten die Franzosen den Rhein. Am 16. September fielen sie in das Siegtal ein. Viele Einquartierungen, Requisitionen und Kontributionen belasteten die Bevölkerung sehr.

Anfang des 18. Jh. hielt die Kartoffel von Westen her Einzug in unsere Gegend. Der Anbau wurde staatlich gefördert, um die Bevölkerung aus der Hungersnot herauszuholen. Saatkartoffel wurden verteilt.

1756 wurden die 7 Stationen (in Stein gehauen) zur Verehrung der Schmerzensmutter zwischen Lauthausen und Bödingen, gestiftet von Freifrau Maria Charlotte von Spies zu Büllesheim von und zu der Hees, Ehefrau des Besitzers von Schloss Allner, errichtet. 1927 hat der Maurer Peter Rösgen aus Bülgenauel neue Stationen erstellt. In Buntfarbe gehaltene Hochreliefs von 80 x 55 cm, hergestellt von der Hof-Kunst-Akademie München in Terrakotta, ersetzten die alten Steinplatten. 1967 erfolgte eine weitere Restauration der Stationshäuschen durch Steinmetze aus Mayen. Das Steinmetzehepaar Heller aus Lanzenbach stellte neue Stationsreliefs her und brachte diese in die Stationen ein.

Die Stationen lauten:

I. Simeons Weissagung, II. Flucht nach Ägypten, III. Der 12-jährige Jesus im Tempel, IV. Begegnung mit dem kreuztragenden Herren, V. Jesus hängt am Kreuz, VI. Jesus auf dem Mutterschoß und VII. Grablegung Jesu.

Maria Charlotte von Spies zu Büllesheim stiftete 1756 auch das steinerne Gnadenbild  über dem Torbogen zum Kircheninnenhof, dem Original getreu nachgearbeitet. Die Inschrift lautet: ALLhIer Ist Iener Werther pLatz Wo sonst eIn VoLLer gnaDensChatz herfLoss aVs seLben VesperbILD so Vnsre kIrCh anheVt erfVLLt.

Im Jahre 1795 wurden in Driesch, wo der 1709 erbaute Segensaltar stand, 2 österreichische Deserteure des 1. Koalitionskrieges gegen die Franzosen durch die Reitertruppen des Generals von Buß gestellt, zum Tode abgeurteilt und einer (Pelegrin Stephan Spielman) wurde dort in Driesch erschossen und auf dem Bödinger Friedhof beigesetzt. Der 2. wurde danach begnadigt, ertrank aber kurze Zeit später in Lauthausen in der Sieg. Auch er wurde in Bödingen begraben.

Hennef stand 1795-97 zeitweise im Mittelpunkt der Ereignisse, als die Truppen der Verbündeten gegen die französische Revolutionsarmee um die Frankfurter Straße kämpften. Kurz darauf begann Hennefs Aufschwung, als durch Napoleons Dekrete den Burgen und Klöster der Untergang bereitet wurde. Die Wegezölle wurden aufgehoben. 1812 stand Hennef unter französischer Herrschaft und wurde zum  Gerichtsort ernannt. Es erhielt einen eigenen Verwaltungsbezirk, den "Kanton Hennef". Die preußische Verwaltung übernahm die Einteilung und wies den Kanton Hennef dem Kreis Uckerath zu.

Mit der Säkularisation (Reichsdeputations-Hauptschluss "zur Erleichterung der fürstlichen Finanzen") 1803 mussten der 29 Prior, die 9 Patres und alle Ordensbrüder  das Kloster verlassen. Die Klostergebäude gingen, wie die mittlerweile 16 Höfe, zwei Mühlen, nach der Enteignung in Privatbesitz über. Anfangs waren es Pächter, bis Peter Eich 1817 das Klostergut erwarb. Bis 1811 übernahm die Seelsorge ein Mönch des aufgelösten Klosters. Ihm folgte ein Minorit des Klosters Seligental. Weltliche Pfarrer übernahmen die Führung 1832 mit der Ernennung zur Pfarrei und 1957 zogen wieder Patres, die des Ordens der Oblaten des Hl. Franz von Sales, in das Pfarrhaus ein, die bis 2009 die Betreuung der Gläubigen durchführen. Mit der Säkularisation 1803/1804 wurde auch für Bödingen die Einrichtung einer Schule angeordnet. Bis dahin hatten die Patres einen privaten Schulbetrieb organisiert. Jetzt wurden auf Anordnung des Landes Schulbezirke  eingerichtet. Der Bödinger Vorsteher, Heinrich Beyert, wurde mit der Meldung der schulpflichtigen Kinder beauftragt. Er meldete 225, mehr als das doppelte dessen, die unter die Schulpflicht genommen werden sollten. Es mussten zwei Schulräume gefunden werden. Diese fand man in den ehemaligen Klostergebäuden. Das Sommerrefektorium (Refektorium = mlat. Erholungsraum sowie Speisesaal in einem Kloster) erhielten die Jungen, die Mädchen das Winterrefektorium. Ebenso wurden Wohnräume für die Lehrkräfte eingerichtet. Obwohl weder Schultafel, noch Bestuhlung vorhanden waren, begann der Unterricht. Auf einen großen Stein musste man sich hinsetzen, der inmitten des Raumes lag. Die Gründungsurkunde lautete: Maximilian Joseph, Herzog in Ober- und Niederbaiern, der oberen Pfalz, Franken und Berg p.p. des heil. römischen Reiches Erzpfalzgraf, Erztruchseß und Churfürst. Wir genehmigen den durch Bericht vom 6ten dieses unterstützten Antrag der Schulkommission, daß in der aufgehobenen Canonie Bödingen eine Bürgers Schule aus Mitteln des geistlichen Fonds und der vorgeschlagenen Art errichtet werde, worauf ihr das Geeignete zu verfügen habt. München, den 23. April 1804 Max Joseph. An den Churfürstlichen Geheimen Rat zu Düsseldorf. Folgende echte Schülerzahlen wurden von Beyert am 26.07.1804 wie folgt ermittelt: Ober-Hallberg 5 Kinder, Nieder-Hallberg 11, Hallberg 3, Berg und Kningelthal 5, Ober-Auel 6, Lauthausen 24, Auel 16, Altenbödingen 15, Dresch und Harthof 3, Bödingen 12, zusammen 100. Der 1. Pächter des Klosterhofes war Josef Tinner. Er nahm während seiner Pachtzeit immer mehr Räumlichkeiten und Fläche in Anspruch, so dass es immer wieder zu Streitigkeiten mit den Lehrkräften kam. Der 1. Lehrer in Bödingen war der 31-jährige Anton von Berg, der es nicht lange aushielt in Bödingen. Er schrieb: ..."wo im Winter bei Glatteis und dem häufigen Schnee ein erwachsener Mensch Mühe hat, sich durch die Hohlwege auf den steilen Felsen zu winden". Von all den Schülern erschienen zur Einschulung insgesamt 3. Viele Lehrer kamen nach Bödingen und nur wenige hielten es lange aus. Aus der Geschichte erfährt man, dass ein Lehrer einen Backenbart trug, der verboten war, Lehrer der deutschen Sprache nur ungenügend mächtig oder sogar Alkoholiker waren. Erst 1829 kam der 1. seminaristisch vorgebildete Lehrer nach Bödingen. Er verstarb 1833 an Schwindsucht. Die Schule Bödingen wurde bis 1968 (mindestens seit 1939) mit 510 RM aus dem bergischen Schulfonds unterstützt. 1932 wurde die "neue" Schule gebaut. Heute gehört sie der Schützenbruderschaft St. Augustinus e.V.

Aus dem Buch "1000 Jahre Deutscher Geschichte und Deutscher Kultur am Rhein" geht folgendes hervor: In den Tagen, da der Lehrer an der Coblenzer Sekundärschule die Schrift "Über den Fall Teutschlands und die Bedingungen seiner Wiedergeburt" verfasste, da glaubte allerdings wohl kaum jemand im rheinischen Gebiete, auch Görres selbst nicht, an einen baldigen Sturz der Fremdherrschaft. Unüberwindbar, wie es schien, behauptete sich der Imperator gegen eine Welt von Feinden, immer weiter zog er seine Kreise, dehnte er seinen Machtbereich aus. Auch die Lande rechts des Rheins, die schon während der Revolutionskriege zeitweise von französischen Truppen besetzt gewesen waren, gerieten in seine Abhängigkeit. Gerne verzichtete Bayern gegen den Anfall von Ansbach auf das allzu entfernte Herzogtum Berg, während Preußen sich unter dem Eindruck von Austerlizz zu der Abtretung des rechtsrheinischen Kleve bequemte. Das aus beiden gebildete Großherzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf übertrug Napoleon im März 1806 einem seiner glänzenden Paladine, dem Reitergeneral Joachim Murat. Zeitweise dehnte sich dieser Staat, an den im Osten das ebenfalls neu gegründete Königreich Westfalen, im Süden das Herzogtum Nassau grenzten, alle drei gehörten dem unter des Kaisers Protektorat stehenden Rheinbund an - bis nach Münster aus. Murat blieb nur kurze Zeit; er avancierte 1808 zum König von Neapel, worauf Berg im folgenden Jahre an einen erst dreijährigen Neffen Napoleons verliehen wurde, für den dieser selbst die Regentschaft übernahm. Ein kaiserlicher Regierungskommissar, der Graf Beugnot, erschien im Lande und gestaltete das Großherzogtum nach dem Vorbilde Frankreichs um. Vier Departments entstanden, von denen drei: Rhein, Sieg und Ruhr, auf dem Boden der folgenden Rheinprovinz lagen. 1813, nach dem verlorenen Krieg Frankreichs gegen Russland, zogen sich die Franzosen zurück und die Preußen mit General Blücher sowie Fürst Metternich drückten die Franzosen bis weit hinter den Rhein zurück. Frankreich erhielt die Grenzen, wie sie vor der Revolution bestanden hatten, bis auf Elsaß-Lothringen.

Die Katholische Kirche unter Friedrich Wilhelm III / Der Kölner Kirchenstreit: Als Preußen von der Rheinprovinz Besitz ergriff, hatte die katholische Kirche des Rheinlandes ein ganz anderes Ansehen als einst in den Tagen des Heiligen Römischen Reiches. An Stelle reicher, privilegienstolzer Kirchen, in denen der Adel die größte Rolle spielte, war eine privilegierte Staatskirche getreten, die das Volk dem Kaiser in Zucht und Ordnung halten sollte, die vom Staate besoldet wurde und an deren Spitze Franzosen als Bischöfe standen, die in ihren Mandements den Kaiser verherrlichten. Die Lehren der gallikanischen Kirche wurden den jungen Theologen eingeprägt. Das Konkordat hatte der Regierung weite Recht gewährt, um endlich der von der Revolution gestürzten Kirche wieder eine Organisation zu geben.

Die alten Erzbistümer, selbst reich, hatten reiche Stifter und Klöster umschlossen. Nun waren sie alle durch die Säkularisation beseitigt, ihr Besitz Staatsgut geworden, die Kirchen abgebrochen oder zu Kasernen  und anderen Zwecken verwendet. Das Geschick hatte auch den meisten Pfarreien ihren Besitz genommen, doch waren die Kirchen, Pfarr-, Kapitels- und Seminarhäuser davon ausgenommen. Sehr bedeutsam war es, dass alle Kirchenpatronate abgeschafft waren und daher alle Seelsorgerstellen fortan vom Bischof besetzt wurden. Damit wuchs diesem eine Gewalt über den Weltklerus zu, wie sie die ältere deutsche Zeit nicht gekannt hatte. Sie blieb dem Erzbischofe auch in der preußischen Zeit erhalten.

Bis 1806 war das Kirchspiel "Eigen" eigenständige Verwaltungseinheit. 1806 wurde das Herzogtum Berg mit Frankreich vereint und zum Großherzogtum Berg erklärt. Unter dem Einfluss der Franzosen wird das Gebiet in Departements geteilt. Der Kanton Hennef mit Uckerath, Lauthausen, Neunkirchen, Hennef und Oberpleis liegt im Arrondissement Mühlheim, das sich im Departement Rhein befindet. 1828 lebten im Bereich der Bürgermeisterei Lauthausen 3.075 Einwohner, davon alleine 3.023 Katholiken, 19 Protestanten und 33 Juden.

Ab 1808 vollzog die französische Verwaltung eine Umgestaltung, in dem sie aus den Teilen der Kirchspiele Eigen und Geistingen, und zwar aus den Honschaften Altenbödingen, Braschoß, Happerschoß und Lauthausen nördlich der Sieg, die Mairie Lauthausen bildete. Die preußische Verwaltung übernahm 1815 diese Ordnung.

Mehr noch als die Neugliederung des Franzosenkaisers veränderte jedoch der revolutionäre Geist des Jahres 1789 das Leben in unserer Heimat. Denn die bisherigen Vorrechte von Adel und Klerus wurden aufgehoben und alle Bürger gleichgestellt (12. Dez. 1808 Aufhebung der Leibeigenschaft; 11. Jan. 1811 Ende des Lehnwesens). Gewerbefreiheit sowie einheitliche Steuern, Münzen, Maße und Gewichte wurden eingeführt. Von besonderer Bedeutung wurde die Justizreform. Beim Napoleonkrieg im Jahre 1812 mussten viele Männer aus dem Sieggebiet als Soldaten Napoleons gegen Russland ziehen und ihr Leben lassen. Es folgten die Befreiungskriege und weitere Truppen durch das Siegtal und über die Nutscheid. Nach dem siegreichen Ende 1816 erfolgten Neueinteilung der Gebiete. Aus den Kantonen entstanden die Kreise Uckerath und Siegburg, 1925 der Siegkreis durch Zusammenschluss und 1969 der Rhein-Sieg-Kreis.

Im August 1830 reiste Bürgermeister Eich nach Köln, um persönlich die unhaltbaren Pfarrverhältnisse zu schildern und machte nach dem Besuch erneut eine Eingabe. "Am 12. Januar 1832 erfolgte die Entscheidung, wonach der König durch Kabinettsordre vom 26. November 1831, zur Aufrechterhaltung des katholischen Gottesdienstes dem bei der Bödinger Kirche angestellten Geistlichen, außer der bisher gewährten Zulage von 81 Thlrn., noch einen Gnadenzuschuss von 169 Thalern jährlich aus Staatsfonds vom 1. Januar ab fortlaufend zu bewilligen geruht habe. Gleichzeitig solle die Pfarrstelle zur Bewerbung ausgeschrieben werden.  Am 23. März 1832 wurde erster Pfarrer Arnold Frings. Er verstarb am 16. Mai 1868 im 70. Jahre. Es folgte Carl Anton Cremer, der 1879, nach den Regeln von Raiffeisen, die Bödinger Spar- und Darlehnskasse ins Leben rief sowie1881 mit 16 Männern den "Pfarr-Cäcilienverein" (Kirchenchor) gründete. Ein sehr weitsichtig denkender Geistlicher, der für die Menschen in Bödingen vieles geleistet hat.

In der Zeit um 1846 - 1849 fand eine große Hungersnot statt, die in der Region viele Todesopfer forderte.

Zwischen 1850 und 1860 dürfte die Kapelle Lauthausen erbaut worden sein. Sie wurde dem Hl. Josef geweiht. Am 1. Mai findet hier ein Gottesdienst statt. Zuvor soll hier eine andere Statue gestanden haben, möglicherweise die des hl. Antonius.

1884 wurde die schlanke Dachhaube über dem Chor der Wallfahrtskirche um 6 Meter verkürzt. Am 8. März 1886 fanden die ersten Theateraufführung in Bödingen statt, die von Mitgliedern des Caecilien-Vereins, also dem Kirchenchor, in der Gaststätte Breuer durchgeführt wurden. Zu diesem Zwecke schaffte man sich sogar für 98 Mark eine Bühne an, die in Uckerath erworben wurde. Am 13. September 1888 wurde Pfarrer Carl Anton Cremer mit großem Gefolge nach kurzer Krankheit zu Grabe getragen. Sein Grab befindet sich noch heute auf dem Bödinger Friedhof. 1908 wurde eigens für den Theaterverein des Kirchenchores das Mysterienspiel von Pater Pius Weber, Kloster Marienstatt, geschrieben, welches 1908 und 1958 aufgeführt wurde.

1844 wurde in Bonn der Borromäusverein gegründet, der sich verpflichtete, nur gute Bücher zu verbreiten. In Bödingen befindet sich die Kath. öffentl. Bücherei, die dem Borromäusverein angeschlossen ist.

Mitte des 19. Jh., 1859,  wurde die Siegtalstraße angelegt und parallel die Deutz-Gießener-Eisenbahn, wodurch die Höhenstraße (Nutscheid) seine Bedeutung verlor. Es folgte eine starke Auswanderungswelle nach Amerika, besonders aus Auel und Halberg/Lochhalberg.

1859 wurde mit dem Bau der Bröltalstraße begonnen und 1862 die Linie der Bröltal-Eisenbahn angefügt. Anfangs zogen Pferde die Loren, ab 1863 mit Lokomotivbetrieb. 1870 kam der Personenverkehr hinzu und auch die Bewohner von Bödingen und Driesch haben oftmals nach oder von Bröl den "Alten Weg" begangen, um mit dieser Bahn zu fahren. Zum besseren Abtransport der in den Gruben um Hennef abgebauten Erze, Blei und Zinn und anderer mannigfachen Bodenschätze, baute man von 1888 - 1903 auch in die Seitentäler Bahngleise. Von Hennef führte auch eine Straßenbahnlinie nach Siegburg. Der Fremdenverkehr wurde gefördert.

Am 31. November 1879 wurde der Darlehnskassenverein Bödingen, als erste im Siegkreis,  gegründet, der sich nach den Vorgaben und Richtlinien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (*30.03.1818 Hamm/Sieg) die Satzung gab. Das Ziel Raiffeisen war es, die armen Bauern zu unterstützen, ihnen günstige Darlehen zum Wirtschaftsaufschwung zu gewähren. Vorsitzender des Bödinger Vereins war Pfarrer Carl Anton Cremer und Vereinsrechner W. Lindlar. Der Verwaltungsrat setzte sich zusammen aus: Carl Friedr. Sieglar (stellv. Vorsitzender), Lauthausen, Heinrich Schuster, Peter Balensiefer, Johann Winterscheid, Johann Schwamborn, Ferdinand Becker, Jakob Giesen, Peter Beyert (Vorsitzender), Bödingen  und Franz Bierther, Altenbödingen. Die ersten Jahreseinnahmen wurden mit 47087 Mark 03 und die Ausgaben mit 46752 Mark 32 verzeichnet, so dass ein Bestand von 334 Mark 71 festzustellen war. 1882 kam Ferdinand Breuer für Wilhelm Balensiefer, Müschmühle, in den Vorstand des Darlehnskassenvereins. 1983 schieden Franz Bierther und Johann Winterscheid aus, dafür kamen Heinrich Hausmann, Ackerer aus Niederhalberg und Franz Litterscheid, Ackerer aus Altenbödingen. Carl Friedrich Sieglar wurde Vorsitzender und Heinrich Schuster sein Vertreter. Am 24.08.1987 Heinrich Schuster = Vorsitzender, Franz Litterscheid = stellv. Vorsitzender.

1889 entstand der heute sogen. "alte" Friedhof, auf dem ehemaligen Baumgarten des Klostergutes. Zuvor wurden die Toten in Geistingen (bzw. an der Dondorfer Kapelle) beerdigt (Geistingen war Pfarrkirche). Große Spender und die Leiter des Bödinger Klosters bestattete man in den Gruften der Bödinger Kirche. Viele Bürger wurden auch anfangs auf der Südseite der Kirche, danach auf der Nordseite, bis dann die Einrichtung auf dem Baumgarten erfolgte, beigesetzt. Im Jahre 1960 wurde der "neue" Friedhof an der Oberaueler Straße eingerichtet. (Der sogen. alte Friedhof ist seit 2006 als Denkmal eingetragen).

Etwa im Jahre 1902 erbaute Johannes Walterscheid das Wohnhaus "Haus Marienberg" und die sogenannte "Walterscheids-Kapelle", die am Halberger Weg liegt. Frau Walterscheid musste zu einer schweren, risikoreichen Operation (Blinddarm) ins Geistinger Krankenhaus. Sie versprach, falls sie gesund das Krankenhaus verlassen würde, eine Kapelle zu bauen. Dieses Versprechen hatte sie eingelöst. Oberhalb dieser Kapelle, an der Wegmündung stand die Schmiede von Peter Klein, die heute als Wohnhaus und Denkmal immer noch erhalten ist.

1904 zogen die Augustinerinnen,  aus dem Mutterhauskloster St. Maria in der Kölner Kupfergasse, in das gegenüber des Kirchgartens liegende Kloster ("auch Klösterchen genannt") (nicht Klostergut) ein. 1909 wurde das Kloster um einen Neubau erweitert. 1905 stifteten die Familien Walterscheid und Beyert das sogenannte "Walterscheid´sche-Haus", welches im 17. Jh. erbaut wurde, dem Kloster.  Bis 1969 haben die Nonnen an dieser Stelle segensreich gewirkt. Eine Krankenschwester war in Notfällen auch für die Dorfbewohner immer ansprechbar. 1975 siedelte das Kloster, an dem ein Altenheim angegliedert war, zur "Dicken Hecke", zwischen Driesch und Altenbödingen, um. Hier verlebten ältere Nonnen ihren Lebensabend und führen die Altenpflege weiterhin fort. Das Mittelhaus des alten Klosters wurde 1972 abgerissen, die Fachwerkgebäude gingen  in Privatbesitz über, das Walterscheid´s Haus (2. Hälfte 17. Jh.) ging als Geschenk des Klosters an die Kath. Pfarrei "Zur schmerzhaften Mutter" von Bödingen die es Anfang des 21. Jh. an Privat verkaufte. Auf der Mauer zwischen diesen Gebäuden steht ein altes Eisenkreuz, welches an den Standort des abgerissenen Klosterhauptgebäudes mit Kapelle erinnern soll.

Im Juli 1908 wurde die Oberaueler Brücke fertig gestellt und damit gab es zum ersten Male eine feste Verbindung zwischen Bödingen und Blankenberg, vor allem aber zum Bahnhof Blankenberg. Der Fährverkehr mit einem "Nachen" wurde daraufhin eingestellt. 1945 wurde die Brücke beim Rückzug der Soldaten zerstört. Kurzzeitig erfolgte dann wiederum die Einsetzung des Fährverkehrs.

Am 29.10.1912 kam es wieder zu einem großen Brand in Bödingen, wobei selbst die Schülerinnen und Schüler mit Eimern aus Teichanlagen und Brunnen das Wasser heranschleppen mussten.

 Hennef erhielt im gleichen Jahr ein Kurhaus. Nach den Vorgaben von Pfarrer Sebastian Kneipp erhielten die Leidenden ihre Heilbehandlung.

1913 wurde in Bödingen eine Postagentur eröffnet.

1914 - 1918 fand der 1. Weltkrieg statt, in dem auch viele aus dem Kirchspiel ihr Leben lassen mussten.

1922, in der Zeit der Inflation, wurden vom Gnadenbild der Schmerzensmutter die Kostbarkeiten entwendet und der Christuscorpus verschleppt. Pfarrer Grommes beauftragte den Bonner Bildhauer Prof. Menser, einen gleichen Korpus zu schnitzen, der bis heute auf dem Schoße der Gottesmutter ruht. Pfarrer Lennarz, der nur 4 Jahre in Bödingen seinen Dienst versah (1890 - 94), ließ über dem alten Boden mit den Grabplatten einen neuen ziehen von der Fa. Villeroy und Boch aus Mettlach und den alten Holz-Barockaltar durch einen neugotischen ersetzen. Den Holzaltar machte er zu Brennholz.

1923 wurde die Pumpstation in Halberg gebaut und versorgte ab da die Bewohner von Bödingen und Umgebung mit Wasser. Die Quelle versiegte nie, auch nicht in wasserarmen Sommerzeiten. Bis 1963 ging das so. Dann kam der Anschluss an die Wasserversorgung der Wahnbachtalsperre. Diese "neumodische" Wasserversorgung, zu der auch ein großer Wasserturm als Sammelbecken in Bödingen gehörte, hatte aber auch eine unangenehme Begleiterscheinung. Die Dorfbrunnen (Pütz), die bislang als Treffpunkt galten, wo man alles miteinander besprach und Informationen austauschten, wurden nicht mehr, oder nur noch selten genutzt.

Von 1923 - 1924 entstand die erste, noch einspurige, Straßenverbindung zwischen Lauthausen und Oberauel (durch das sogen. "Gesetz"). Damit entfiel der beschwerliche Weg über Bödingen. Der Verkehr nahm drastisch zu, so dass diese Verbindung 1972 zweispurig ausgebaut wurde.

Von 1925 - 1955 existierte in Oberauel der Wanderklub "Frisch auf", die Wanderungen und auch Radwanderungen jährlich unternahmen und so manches Fest feierte.

Am 18.04.1939, kurz vor Kriegsausbruch II. Weltkrieg, wurde in allen deutschen Gauen die "Deutsche Volksschule" eingeführt. Im deutschvölkischen Sinne war Erziehung zu betreiben. Konfessioneller Charakter einer Schule war verboten. Alle christlichen Symbole waren zu entfernen.

1939 - 1945 während des Krieges, ließen viele "auf dem Feld der Ehre" für das Vaterland ihr Leben. Aber auch viele Schüler wurden in den letzten Kriegstagen, besonders in Altenbödingen und Lauthausen, von Granatsplittern oder Bomben getötet. Bei einer Schuluntersuchung am 24.04.1947 wurden 155 Schulkinder untersucht, wobei 106 als erheblich unterernährt eingestuft wurden. Es wurde Schulspeisung angeordnet und Schokolade ausgeteilt.

Am 24.02.41 landete in der Selbach ein großer Ballon, der Flugblätter der Alliierten mitführte. Der Jagdaufseher jagte die interessierten Schüler weg und machte sich selbst am Ballon zu schaffen. Dabei explodierte er und verletzte den Jäger schwer. Während und nach den Kriegszeiten wurden vielfach die Schulklassen geschlossen und die Schüler als landwirtschaftliche Erntehelfer oder Feldarbeiter eingesetzt. Der Schulunterricht wurde unregelmäßiger, die Schulwege unsicherer. Unterricht wurde vereinzelt auch in den Dörfern erteilt.

Am 04.09.44 verlegten die Klassen ihren Unterricht in die Gärtnerei Müller, da Truppen der SS die Schule bezogen. Kurz nach Kriegsende wurde die Schule geschlossen, "bis alle Nazi-Elemente" nach gründlicher Prüfung aus dem Lehrkörper entfernt waren. Ein Altenbödinger Landwirt hat bereits im Januar 1945 den Mut besessen, wieder ein Kreuz in der Schule aufzuhängen. Am 8. April 1945 rückten die Amerikaner über Altenbödingen und Lauthausen nach Bödingen ein. Am Kirchturm wurde die weiße Fahne angebracht.

Aus der Schulchronik und dem Bödinger Buch erfahren wir auch, dass es mit Beginn des 20. Jh. einen Obst- und Gartenbauverein gab, die ihre Anlagen und Erzeugnisse auch prämierten. So haben Gerd Bambeck aus Bödingen und Marlene John aus Auel die ersten Preise erzielt. Nachdem die Weinhänge um Bödingen und Altenbödingen Anfang des 20. Jh. von der Reblaus befallen waren, stellte man auf Obst- und Gartenprodukte um.

Die schönste Glocke der Bödinger Kirche kehrte am 12.10.1947, blumengeschmückt, wieder nach Bödingen zurück. Am 25.11.1949 wurde die im Krieg zerstörte Oberaueler Brücke wieder dem Verkehr übergeben und am 20.06.48 kam die Währungsreform 1 RM = 0,10 DM.

1946 traten junge Damen zusammen, um einen Chor zu gründen der 1947 als "Marienchor" festgeschrieben  und dem Kirchenchor zugeordnet wurde.

In der Umlegungsakte der Kreisstelle für Naturschutz v. 16. Nov. 1948 finden wir folgende Eintragung: "Das Umlegungsgebiet liegt zwischen Sieg und Bröl innerhalb eines der schönsten Landschaftsteile im Siegkreis!"

1952 erfolgte die Bepflanzung mit Pappeln entlang der Straße "Dicke Hecke", bis 2004 mit ein Wahrzeichen Bödingens, danach wurden sie ersetzt durch Sommerlinden.

1953 erfolgte die erste Oberflächen- und Kellerentwässerung in Driesch. 1956 gab es eine schwere Maikäferplage, die nur durch Hubschraubereinsatz bekämpft werden konnte.

Am 1. Dezember 1957 übernahmen Patres der Oblaten des Hl. Franz von Sales die Pfarrei bis 2009. Danach wurde ein Seelsorgebereich begründet mit den Pfarreien Warth, Happerschoß, Bröl, Bödingen, Blankenberg, Uckerath. Bödingen erhielt einen Pfarrvikar. Der leitende Pfarrer hat seinen Sitz an der "Liebfrauen-Kirche" in Hennef-Warth.

Von der Gründung der Wallfahrtskirche bis zum heutigen Tage gab es insgesamt 68 Päpste. Insbesondere in den Anfangsjahren bis zum Konstanzer Konzil 1417 gab es zeitgleich 2 - 3 Päpste. Dann wurde das Schisma beendet, Martin der V. wurde nach über 3 Jahrzehnten einheitlich gewählter Papst.

1962 wurde der Schulpavillon fertig und von der 1. Klasse bezogen. Die Turnhalle wurde gebaut und 1968 gingen die Bödinger Schülerinnen und Schüler ab dem 4. Schuljahr in Hennefer Schulen. Die Schule wurde 1975 aufgegeben, so dass die ersten Klassen nach Happerschoss eingeschult wurden.

Am 9. Juni 1968 war die erste Wahl eines Pfarrgemeinderates. Vorsitzender wurde Paul Land aus Altenbödingen. Pfarrer war Pater Paul Mölders.

1969 wurde die Gemeinde Lauthausen mit der Gemeinde Uckerath in die Gemeinde Hennef vereint.

Im Frühjahr1969 gründeten einige junge Männer die Schützenbruderschaft und wählten als Patron den Hl. Augustinus. Auf die Fahne schrieben sie "Für Glaube, Heimat und Sitte!" Sie nahmen sich vor, die kirchliche Tradition, insbesondere in Bödingen, zu bewahren und mitzuhelfen bei der Pflege. Dass sie bei allen Prozessionen in vollem Ornat anwesend sind, ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Die Tradition des Kirchweihfestes nahmen sie zum Anlass, auf dieses Wochenende ihr Schützenfest zu legen und damit die gesamte Feier auch für die weltliche Gemeinde auszurichten. Seit 1979 können die Bödinger wieder eine tolle Kirmes feiern, dank unserer Schützenbruderschaft St. Augustinus.

Im Jahre 2005 stellte der Heimatverein Bödingen e.V. an die Leitung des Redemptoristenklosters die Bitte, im Rahmen der Klosterauflösung die Pieta aus dem 15. Jh., eine weltweit einmalige Darstellung, wieder der Kirchengemeinde Bödingen zurückzugeben. Im 2. Weltkrieg wurde die Kapelle in Halberg (Bödingen) zerstört und die wertvolle Pieta zur Werterhaltung den Redemptoristen von Hennef übergeben. Sie ist seit August 2011 in der Kirche, neben der Orgel aufgestellt.

Der gekreuzigte Christus auf dem Schoße seiner Mutter, links Lieblingsjünger Johannes, der den Kopf hält und rechts Maria Magdalena

Mehr über das geschichtliche Bödingen auch unter www.graf-von-berg.de und http://www.regiocolonia.de/Bergland/sieglandschaft.htm

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Vermerk: Es fehlen noch wichtige Einzelheite vieler Jahrzehnte, die nach und nach eingeschrieben werden. Ich bitte etwas um Geduld.

 

Deutschlands Gnadenorte

-Geschichte und Beschreibung-

Die bedeutendsten ausländischen Gnadenorte der katholischen Welt

von Aegidius Müller, Pfarrer (und vielen Mitarbeitern)

(Auszug ab Seite 23 der 5. Auflage)

Die schmerzhafte Mutter zu Bödingen

Die Verehrung der schmerzhaften Mutter Maria im Gnadenbilde zu Bödingen, auch Mariä-Bödingen genannt, geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit lebte als Einsiedler im so genannten Forst, einem Walde zwischen Lauthausen und Altenbödingen, ein frommer Junggeselle, mit Namen Christian von Lauthausen, welcher, erfüllt von großer Andacht und Liebe zur Mutter Gottes, weshalb er in Urkunden "unserer lieben Frauen Knecht" heißt, nach einer Offenbarung, die ihm zuteil geworden, ein Vesperbild, Maria mit dem Leichnam ihres göttlichen Sohnes darstellend, zu Köln aus Holz anfertigen ließ und in einem Kapellchen nahe bei der Einsiedelei zur Verehrung aufstellte. Schon bald erwies sich dieses Bild als ein wundertätiges Gnadenbild, welches große Scharen frommer Wallfahrer anzog. Christian von Lauthausen und sein Pfarrer Peter von Meisenbach aus Geistingen (Bödingen gehörte nämlich zur Pfarre Geistingen) beschlossen, die reichen Opfergaben, die von den Pilgern vor dem Gnadenbilde niedergelegt wurden, zum Bau einer Kirche oder größeren Kapelle zu verwenden.

Es wurde der Bau begonnen; allein an jedem Morgen fand man das Werk des vorigen Tages zerstört. Da flehte Christian inbrünstig um Auskunft zur lieben Mutter Gottes, die ihn in einer dreimaligen Erscheinung über die Stelle unterrichtete, wo die Kirche erbaut werden sollte, - nämlich "in bivio montis" das heißt dort, wo sich die beiden von Lauthausen und Oberauel kommenden Hauptwege kreuzen. Wie die Legende sagt, habe Christian das Bild auf seinen Maulesel geladen, der mit seiner Bürde durch die Selbacher Schlucht und den Berg hinauf forttrabte, bis er wie festgebannt an der bezeichneten Stelle stehen blieb. An dieser Stelle, in der Nähe der Kirche, befindet sich noch eine der im Jahre 1756 von der Freifrau von Spies-Büllesheim zu Schloss Allner errichteten Stationen der 7 Schmerzen Mariä, nämlich die 6. Station mit der Inschrift: ALLhIer Ist Iener Werther PLatz, Wo sonst eIn VoLLer gnaDensChatz HerfLoss aVa seLben VesperbILD, so Vnsere kirCH anheVt erfVllt.

Im April des Jahres 1397 wurde der Bau der Kirche in Angriff genommen; der Pfarrer Peter von Meisenbach hatte gleich anfangs seinen Wohnsitz von Geistingen nach Bödingen verlegt, sowohl um den Bau zu leiten, als auch um den von nah und fern zum Gnadenbilde herbeiströmenden Pilgern seine seelsorgliche Tätigkeit zu widmen. Ihm standen außer besagtem Christian von Lauthausen treu zur Seite seine beiden geistlichen Neffen Andreas und Walramus von Meisenbach.

Wie sehr aber mit dem Bau der Kirche auch die Bedeutung des Wallfahrtsortes sich hob, geht wohl daraus hervor, dass Papst Bonifazius IX. durch Ablassbreve vom 6. Februar 1402 mehrere vollkommene und unvollkommene Ablässe für die Kapelle der allerseligsten Jungfrau Maria in Bödingen bewilligte, wie solche für Maria Einsiedeln in der Schweiz bewilligt waren. Neben dem Bau der schönen Wallfahrtskirche lag dem Pfarrer Peter von Meisenbach ganz besonders die Gründung mehrerer geistlichen Stellen oder Vikarien in Bödingen am Herzen und nachdem er vor und nach aus den Opfergaben und seinem eigenen Vermögen 9 Höfe und verschiedene Renten zur Dotation erworben hatte, erwirkte er bei Papst Johannes XXIII. die Errichtung von vier ständigen Pfründen und die Anstellung von vier Vikaren, denen er selbst als Rektor vorstand bis zu seinem seligen Tode am 17. September 1417, in welchem Jahre auch der fromme Diener Mariens, Christian von Lauthausen, gestorben zu sein scheint. Der genannte Papst rühmt in der, die Einrichtung der Vikarien betreffenden Bulle vom 19. September 1411: "die große Andacht und Verehrung, welche das christliche Volk zu der unlängst zu Ehren und unter dem Titel der allerseligsten Jungfrau Maria und der heil. drei Könige canonisch fundierten und geweihten Kapelle zu Bödingen hege."

Als das Kölner Provinzial-Concil des Jahres 1423 für die ganze Kirchenprovinz auf den vierten Freitag nach Ostern ein besonderes Fest der Betrübnis und der Schmerzen Mariä unter dem Kreuze - Compassionsfest genannt - anordnete, nahm die Verehrung der schmerhaften Mutter in Bödingen noch mehr zu, so dass selbst die vier oder fünf Priester nicht mehr hinreichten, um die geistlichen Bedürfnisse der Tausende von Pilgern zu befriedigen. Das bewog den Landesherrn herzog Adolf von Jülich-Berg, der sich nebst seinem Sohne Jungherzog Rupert für Bödingen sehr interessierte, dort ein Ordenshaus regulierter Chorherren zu errichten und den Prior der Augustiner-Congregation zu Windesheim im Stifte Utrecht um die Erhebung der Kapelle in Bödingen zu einem Canonichen-Kapitel zu ersuchen, damit, wie er in der bezüglichen Urkunde vom 23. August 1423 sagt, der Dienst Gottes gemehrt werde besonders "allda zu Bödingen, wo die gebenedide Moeder unß Herren sonderlinge barmherzig und genedich is neuermez groiße Mirakeln und tzeichen, die tznt vur tznt allda geschient."

Nach erfolgter Bestätigung der Umwandlung der vier Vikarien in ein Kloster seitens des Papstes Martin V. und des Erzbischofs von Köln, Dietrich von Mörs, zogen am 27. Juni 1424 die ersten vier Klostergeistlichen, aus Windesheim entsandt, in Bödingen ein und gründeten dort die Kanonie reglierter Chorherren nach der Regeln des hl. Augustinus (Canonia Mariano-Bödingensis); der bedeutendste unter ihnen war der hernach als Reformator der Klöster Deutschlands so berühmt gewordene Johann Busch, welcher in seinen Schriften uns auch vieles über Bödingen mitgeteilt hat, u.a. "dass das ganze Jahr hindurch, vorzüglich an den Muttergottesfesten der Zulauf zum dortigen Gnadenbilde sehr groß war und über 30 Meilen im Umkreise die Pilger herbeiströmten, auch der Erzbischof sowie der Herzog dorthin kommen, dass viele Menschen von Leiden und Krankheiten mannigfacher Art befreit, sogar mehrere Tote zum Leben erweckt wurden."

Diese Nachrichten des Johann Busch werden vervollständigt durch das Memorienbuch des Klosters, welches auf 81 Pergamentblättern die reichen Gaben und Messestiftungen enthält, die im Laufe der Jahrhunderte von den frommen Verehrern der schmerzhaften Mutter dem Kloster und der Kirche zu Bödingen zugewendet wurden (darunter die angesehensten Familien des Landes, Geistliche und Laien aus Rheinland, Westfalen und Holland).

Als gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts an die schöne von Peter von Meisenbach erbaute Kirche der majestätische Chor mit seinen sieben großen Fenstern (zu Ehren der sieben Schmerzen Mariä) gefügt worden war, da waren es unter anderem der Erzbischof Landgraf Hermann von Hessen, der Bürgermeister von Köln, Johann von Merl, der Ritter Bertram von Nesselrode, welche prachtvolle Figurenfenster zu Ehren der schmerzhaften Mutter für den Chor schenkten; das von Erzbischof Hermann (? 1508) geschenkte Fenster ist größtenteils noch vorhanden und in jüngster Zeit restauriert worden. Die Familie von Nesselrode wählte in der Kirche zu Bödingen ihre Familiengruft, stiftete dort einen eigenen Altar mit einer täglichen heiligen Messe und dotierte denselben mit dem Heiderhofe und dem Hasewinkelerhofe. Mit Epitaphien von in Bödingen begrabenen Gliedern dieses edlen Geschlechtes, sowie der edlen von Attenbach, die gleichfalls dort ihre Begräbnisstätte hatten, ist noch der Boden bedeckt. (jetzt nicht mehr) Nicht selten kam es vor, dass fromme Verehrer der schmerzhaften Mutter von fern her ihren Wohnsitz nach Bödingen verlegten, um zurückgezogen von der Welt sich mit den Klostergeistlichen dem Dienste Gottes und seiner gebenedeiten Mutter zu weihen. Andere sahen darin einen besonderen Trost, wenn sie wenigstens ihre letzte Ruhestätte in der Nähe des Gnadenbildes finden konnten. Viele ließen sich in die von dem 8. Prior, Jakob von Heggen aus Aachen, im Jahre 1481 errichteten  Bruderschaft der Mutter Gottes aufnehmen. Zahlreiche Prozessionen aus der Nähe und Ferne, sogar aus Holland, führten alljährlich Tausende von Wallfahrern zum Gnadenbilde; der Pfarrer von Much, Johann Knyß ordnete um das Jahr 1510 eine Prozession an, die alljährlich mit dem hochwürdigsten Gute von Much nach Bödingen zog, also 4 - 5 Stunden weit. Besonders bei öffentlichen Drangsalen nahmen die Christgläubigen vertrauensvoll ihre Zuflicht zur schmerzhaften Mutter.

"1617 am Feste des h. Calixtus (14. Okt.) kamen Aegidius Flammersheim, Pastor zu Geistingen und die Pastoren von Hennef und Happerschoß in Prozession mit Kreuz und Fahnen, besuchten den Tempel der allerseligsten Jungfrau Maria in Bödingen und opferten eine Kerze wegen der Pest, die in mehreren Ortschaften herrschte, und diese Prozession geschah auf Anordnung unseres allergnädigsten Fürsten".

Die Prozessionen von Uckerath, Blankenberg, Dattenfeld, Happerschoß, Geistingen, Siegburg, Stieldorf leben noch in der Erinnerung fort und sind teilweise noch in Brauch. Daß das Vertrauen der zur schmerzhaften Mutter Flehenden auch fortwährend mit Gebetserhöhungen belohnt wurde, berichtet der 15. Prior, Balthasar Sollingen aus Köln, 1621, indem er auf ein Bild die Worte (lateinisch) setzen ließ: "Mit verschiedenen Leiden und Krankheiten Behaftete fühlten, sobald sie ihre Gebete zur allerseligsten Jungfrau Maria gerichtet und ein Gelübde der Wallfahrt zu dieser Stätte gemacht hatten, sich alsbald getröstet und geheilt; ja oft haben hier Blinde ihr Gesicht, Lahme den Gebrauch ihrer Glieder, Gefangene die Freiheit, Pestkranke ihre Genesung wiedererlangt, und was noch wunderbarer ist, selbst Tote sind zum Leben zurückgerufen." Namentlich scheint das Wunder der Wiederbelebung tot geglaubter Kinder behufs Erlangung der h. Taufe oft vorgekommen zu sein, so dass die geistliche Behörde im Jahre 1758, wo unter dem heiligmäßigen 27. Prior Heinrich Klein derartige Fälle sich häuften, eine Untersuchung anstellen ließ, über deren Resultat nichts bekannt ist.

Weithin erstreckte sich die seelsorgliche Tätigkeit der Bödingener Klosterherren. Das zeigte sich namentlich im traurigen Zeitalter der Reformation. Die mächtige Schutzpatronin des Bödingener Klosters, die schmerzhafte Mutter, hat es nicht zugelassen, dass ihre lieben Söhne, die Augustinerchorherren, von den verderblichen religiösen Verirrungen des Augustinermönchs zu Wittenberg angesteckt würden. Im Gegenteil erwiesen sie sich sehr eifrig in der Verteidigung des katholischen Glaubens  und in der Abwehr der Ketzerei, und es steht fest, dass wir nächt Gott und seiner gebenedeiten Mutter Maria den Augustinern zu Bödingen die Erhaltung des katholischen Glaubens in dortiger Gegend zu verdanken haben. In den Pfarreien Geistingen, Blankenberg und Uckerath traten sie den Neuerungen mit Entschiedenheit entgegen und führten die Irregleiteten in den Schoß der Kirche zurück. Zu Dondorf, in einer dem Kloster Bödingen seit 1524 incorporierten Kapelle, scheiterte der letzte Versuch eines lutherischen Prädikanten, die Irrlehre zu verbreiten, am Feste Mariä Empfängnis 1610 durch die Bemühungen des frommen und gelehrten Kanonikus Gottfried Ense von Bödingen.

Noch ist hier eines wunderbaren Schutzes zu gedenken, der Kloster und Kirche von einer schrecklichen Feuersbrunst, von welcher Bödingen Ende Juni 1636 heimgesucht wurde, bewahrte. Darüber liest man im Theatrum Europaeum Band III, Seite 667 zum Jahrte 1636: "Damahlen hat bey dem Regulier-Closter Büdingen (allernächst bey Blankenberg im Fürstenthumb Berg) eine Fewersbrunst etliche umb das Kloster berumb gelegene Geäuw, Häusern und Schewern ergriffen, dieselbige sampt den daselbst gestandenen Obstbäumen ganz und gar eingeäschert und großen Schaden gethan, wobey doch das Kloster (angesehen es unmöglich geschienen, daß das Fewer allda nicht eingegriffen und es zumal consumirt haben sollte) erhalten worden."

Der genannte 27. Prior Heinrich Klein hat sehr viel zur Hebung der Andacht zur schmerzhaften Mutter getan. Er sorgte dafür, dass der bestehenden Bruderschaft zu Ehren der schmerzhaften Mutter reiche Ablässe von Papst Benedikt XIV. bewilligt wurden; er errichtete in dieser Bruderschaft ein geistliches Bündnis zur Stiftung der samstägigen Messe 1762, er ließ einen neuen Muttergottesaltar aus kostbarem Marmor errichten, auf welchem das Gnadenbild zur Verehrung aufgestellt wurde. Als er im Jahre 1770, von einem Schlaganfall getroffen, Die Würde des Priors niederzulegen genötigt war, trat an seine Stelle Leonardus Gabe aus Köln, der auch in seinem Geiste fortwiirkte und als des Klosters "wahrer und eines ewigen Andenkens würdiger Restaurator in utroque foro" gerühmt wird. Dieser starb am 27. März 1791. Zu seinem Nachfolger wurde Gottfried Oettershaben aus Rosbach gewählt, welcher der 29. und letzte Prior der Marianischen Canonie Bödingen war; im Jahre 1803 wurde das Kloster aufgehoben.

Obgleich durch diese Aufhebung des Klosters, sowie durch die vorausgegangenen und folgenden Kriegsunruhen, unter welchen auch Bödingen viel zu leiden hatte, die Wallfahrten zum Gnadenbilde der schmerzhaften Mutter sehr beeinträchtigt wurden, so fanden sich doch an den Festen der Mutter Gottes, vor allem am Compassionsfeste, sowie an den Samstagen der heiligen Fastenzeit, immer noch zahlreiche Pilger ein, und oft in so großer Menge, dass die geräumige Kirche sie nicht alle zu fassen vermochte; und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag; ja man kann wohl sagen, dass in den letzten Jahrzehnten der Besuch des Gnadenbildes zu Bödingen, das seit 1832 zur selbständigen Pfarre erhoben ist, wieder bedeutend zugenommen hat, zumal im Jahre 1869 die Bruderschaft zur schmerzhaften Mutter Maria erneuert worden und im Jahre 1870 auf Verwenden des damaligen Herrn Erzbischofs, jetzigen Kardinals Paulus Melchers, der sich selbst in die Bruderschaft aufnehmen ließ, Papst Pius IX. den Bruderschaftsmitgliedern und den die Kirche zu Bödingen andächtig Besuchenden mehrere Ablässe bewillig hat.

Die Votivtafeln und andere Dankeszeichen, sowie Krücken und Ketten etc., die früher in großer Zahl am Gnadenaltare aufgehängt waren, sind meistenteils seit Anfang dieses Jahrhunderts entfernt worden, aber wunderbare Gebetserhörungen finden noch immer statt. Die Siegburger Prozession, welche alljährlich am Feste Mariä Verkündigung den dortigen Gnadenort besucht und oft an 500 Pilger zählt, ist am 25. märz 1878 Zeuge gewesen, wie ein seit Jahren gelähmter 60-jähriger Mann, H.H. aus Driesch bei Siegburg, der auf seiner Krücke die Wallfahrt mitgemacht hatte, vor dem Gnadenbilde geheilt worden und mit Hinterlassung der Krücke voll freudigen Dankes gegen die schmerzhafte Mutter heim zog.

Auffallende Gnadenerweisungen werden oft den mit Fallsucht Behafteten zuteil und nicht selten vernimmt man die Kunde, dass solche Leidende durch ihre Andacht zur schmerzhaften Mutter in Bödingen von ihrem traurigen Übel befreit worden. In gleicher Weise ist der andächtige Besuch dieser Gnadenstätte immer noch ein bewährtes Mittel, um Trost und Ergebung im Leiden, wahre Bußfertigkeit und eine selige Sterbestunde zu erlangen.